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Schweizer Radio

27.04.2015

«Ich kann mit einem Mausklick Freundschaften auslöschen»

Manchmal kommt die Mitteilung per SMS, manchmal per Telefon: «Ich will mit Dir nicht länger zu tun haben.» Tausende von Menschen brechen jedes Jahr ohne Begründung den Kontakt zu Nahestehenden ab. Zurück bleibt Verstörung und Wut. Tina Solimann hat mit Verlassenen und Abbrechern gesprochen. http://www.srf.ch/play/radio/popupaudioplayer?id=4a64dc01-cd12-40d4-bf41-329ed10215f5#t=258


12.05.2014

Im Alter finden Geschwister oft wieder zusammen
Quelle WZ newsline 12.05.2014

München (dpa/tmn) - Es ist eine Beziehung der großen Gefühle: Geschwister lieben und hassen sich. Im Alter suchen viele wieder die Nähe zueinander. Damit das gelingt, muss man vergangene Verletzungen verzeihen können.
«Blut ist dicker als Wasser», sagt das Sprichwort. Es gibt Zeiten im Leben vieler Geschwister, da scheint es nicht mehr zu gelten. Da haben Brüder und Schwestern nur noch sporadisch Kontakt, treffen sich vielleicht noch bei Feiern, sind aber ansonsten vor allem damit beschäftigt, sich im Beruf zu etablieren und eine Familie zu gründen. «Das ist eine Phase, in der sich viele Geschwister aus den Augen verlieren», sagt der Münchner Entwicklungspsychologe Hartmut Kasten.
Weit entfernte Wohnorte, unterschiedliche Erfahrungen im Beruf, möglicherweise ein Partner, den der Bruder oder die Schwester nicht mag, tun ihr Übriges. Und dennoch ist damit eine Geschwisterbeziehung nicht zu Ende: «Die Beziehung zu unseren Geschwistern ist die längste Beziehung unseres Lebens», sagt Kasten. Auch wenn sie nicht gepflegt wird, bleibt doch die gemeinsame Kindheit als lebenslanges Band erhalten.
Das kann im Alter ein Segen sein. Dann nämlich, so beobachtet die Geschwisterforschung, keimt in vielen Menschen der Wunsch, wieder enger mit den Geschwistern zusammenzurücken. «Sofern die Beziehung halbwegs intakt war, gibt es meist die Sehnsucht, sich wieder zusammenzutun», sagt Thomas Hax-Schoppenhorst, Pädagoge und Buchautor aus Düren.
Manchmal sind es die äußeren Umstände, die Geschwister nach Jahren der Trennung wieder zusammenführen. Die Sorge um die Eltern beispielsweise, die möglicherweise pflegebedürftig geworden sind, könne die Nähe zwischen Geschwistern wiederherstellen, sagt Hax-Schoppenhorst. Je besser die Chemie zwischen den Geschwistern in der Kindheit war, umso größer sei die Chance, dass sie auch jetzt wieder an einem Strang ziehen.
Umgekehrt gilt: War in der Kindheit das Verhältnis nicht gut, dann drohen gerade in Krisensituationen alte Konflikte wieder aufzubrechen. «Oft resultieren sie aus der Ungleichbehandlung der Geschwister durch die Eltern», ist die Erfahrung von Gestalttherapeutin Cordula Ziebell. Sie bietet zusammen mit ihrer Schwester Workshops an, in denen sich Schwestern allein oder gemeinsam mit ihrer Beziehung zueinander auseinandersetzen.
Konflikte, die jahrzehntelang schwelten, aber nie offen thematisiert wurden, können sich explosionsartig entladen, beispielsweise wenn es nach dem Tod der Eltern um das Erbe geht. «Dann steht man plötzlich vor den Scherben der Beziehung», sagt Hartmut Kasten
Sei es, dass ein Konflikt Geschwister entzweit hat, sei es, dass sich ihre Lebenswege schleichend voneinander entfernt haben: Wer wieder Kontakt aufnehmen will, sollte alte Vorbehalte in den Hintergrund rücken. «Ich würde ja gerne, aber meine Schwester ...» - solche Sätze hört Cordula Ziebell oft in ihren Workshops. «Aber das transportiert die Botschaft, dass die andere sich ändern muss.» Stattdessen gelte es, die eigene Haltung zu reflektieren und die eigenen Bedürfnisse offen zu kommunizieren.
Geschwister kennen einander oft in- und auswendig, auch nach jahrelanger Trennung. Das kann helfen, die Funkstille schnell zu überwinden. «Aber es kann auch sein, dass Dinge zutage treten, von denen man nichts gewusst hat», sagt Hax-Schoppenhorst. Denn in derselben Familie aufgewachsen zu sein, bedeutet noch lange nicht, die Familie auf dieselbe Weise wahrgenommen zu haben. «Anzuerkennen, wie das Familienleben für die anderen Geschwister war, kann sehr heilsam sein», sagt Ziebell.

 
24.11.2013

Ein Streit wirft seine Schatten weit über den Tod hinaus

Auszug von Stephan Künzi. Aktualisiert am 23.11.2013, Berner Zeitung

Es war ein Familienkrach der hässlichen Art: Weil seine Eltern nichts mehr von ihm und seinem Bruder wissen wollten, weiss der Könizer Jean Stalder noch heute nicht, wo sein Vater beerdigt ist.

Die Todesanzeige, die vor genau drei Wochen erschienen ist, liest sich wie ein versteckter Hilferuf. «Im Andenken an unsere verstorbenen Eltern» zeigen sich Jean Stalder und sein Bruder betroffen darüber, dass «Ihr auf eine unbegreiflich traurige Art und in Unfrieden von uns diese Erde verlassen musstet». In versöhnlichem Ton bedanken sich die Söhne «für die sehr schöne und gute Jugendzeit und die weiteren Jahre, die wir in unserem Elternhaus im Liebefeld erleben durften» – und dann kommts: «Leider wissen wir auch heute noch nicht, wo euer Grab ist.»

 Es folgen eine Adresse und eine Handynummer – und tatsächlich verfehlt beides seine Wirkung nicht. Er habe etliche Zuschriften und Anrufe erhalten, berichtet Jean Stalder. Die Leute hätten sich betroffen gezeigt, hin und wieder auch angedeutet, dass in ihrem Umfeld ebenfalls nicht alles zum Besten stehe.

Ein Brief liess ihn wenigstens etwas klarer sehen: Die Könizer Verwaltung liess ihn wissen, dass die Mutter auf dem Gemeinschaftsgrab des Friedhofs Köniz beerdigt sei. Auch für den Vater nannte sie einen Bestattungsort, doch nach näherer Prüfung zeigte sich, dass sie einen Namensvetter im Auge hatte. Dieses Rätsel ist nach wie vor ungelöst.